Wann haben Sie das
letzte Mal gedacht?
Es ist Mittag und gerade sitze ich auf einer Parkbank und beobachte die Bäume, die Vögel, die Wolken. Nach kurzer Zeit drängt sich mir der Gedanke auf, dass ich eigentlich im Büro sein sollte, um zu arbeiten. Und plötzlich überfällt mich eine innere Unruhe. Ich fühle mich unwohl und möchte gerade aufstehen, als ich mich darauf besinne, was da gerade geschehen ist.

Ein einziger negativer Gedanke hatte mir die ganze Freude an der Schönheit und der Ruhe genommen. Nur ein „ich muss noch…“ oder „ich sollte…“ und schon waren die angenehmen Gedanken dem Stress gewichen.
Über das „warum MUSS ich eigentlich wieder ins Büro“ nachdenkend, setze ich mich wieder bequem auf die Parkbank.“ Wer kann mich eigentlich dazu zwingen?“ „Mein Chef? Mein Auftraggeber? Die Polizei?“ Als ich so dasitze und sinniere, wird mir klar, dass wirklich niemand mich zwingen kann, jetzt ins Büro zu fahren.
Ich WILL es, denn ich WILL meine Arbeit erledigen, damit ich Geld bekomme. Ich WILL ja nächsten Monat auch essen und in dieser schönen Wohnung wohnen. Ich WILL, aber ich MUSS es nicht! Ich entscheide selbst für mich, ob ich hungern will oder nicht. Da mir Hungern aber nicht so sehr liegt, entscheide ich mich dafür, dass ich heute doch noch etwas arbeiten will – aber später. Gerade schaut die Sonne wieder hinter den dicken Wolken hervor, und es ist warm und schön. Aber da kommt bereits die nächste große Wolke, und ich denke mir: „Gleich ist es wieder kalt und trüb“. |
„Ähem, was tue ich denn da jetzt gerade?“ frage ich mich. „Genieße doch lieber die Sonne, so lange sie noch da ist, anstatt jetzt schon an die nächste Wolke zu denken.“
Also lehne ich mich zurück und genieße die ersten wärmenden Sonnenstrahlen dieses Frühlings auf meinem Gesicht und denke so für mich: „Ist das Leben nicht schön. Warum kann es nicht immer so sein?“ „Ja, warum eigentlich nicht?“
Spontan fällt mir eine Geschichte ein, die ich einmal irgendwo gelesen hatte: Im alten China fragte einmal ein Schüler einen großen Meister: „Meister, könnt ihr mich das Geheimnis eurer Gelassenheit lehren?“ Darauf entgegnete der Meister: „Ich setze mich, dann trinke ich Tee, dann stehe ich wieder auf.“ „Aber das mache ich doch ebenso, Meister!“ entgegnete der Schüler entrüstet. Darauf antwortete der Meister mit ruhiger Stimme „Nein! Wenn du dich setzt, trinkst du bereits Tee, und wenn du Tee trinkst, dann stehst du bereits wieder auf.“ War nicht auch mir gerade das passiert?
Als ich da vorhin an die Arbeit dachte, da war ich gedanklich bereits in der Zukunft und nicht im Hier und Jetzt. Wie oft hatte ich mich in der Vergangenheit unbewusst so verhalten wie der Schüler. Hatte ich frei, war ich mit meinen Gedanken schon wieder ganz woanders. Bei dem, was heute Abend, nächsten Monat, die nächsten Jahre wohl passieren mag, und ob und wann bei der derzeitigen Situation vielleicht ein Krieg oder gar ein Weltkrieg kommt. Und das Ganze nannte ich dann Stress!
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, hier auf meiner Parkbank, kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Warum genieße ich nicht einfach die Gegenwart, das Hier und Jetzt, anstatt mich von Zukunftsängsten bestimmen zu lassen.
Dunkle Wolken werden immer wieder kommen, ebenso wie blauer Himmel und Sonnenschein. Und manchmal dreht auch der Wind, und alles kommt ganz anders als erwartet.
Warum warte ich auf die nächste Wolke anstatt auf den nächsten Sonnenschein?
Ich lehne mich zurück und genieße das Leben.
Jürgen Hagn
Jürgen Hagn
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